Cirrusnebel im EQ- und Mosaik-Modus – ein Nachtbericht mit Hindernissen

Nach mehreren erfolgreichen Nächten mit dem SeeStar S50 und intensiver Serienaufnahme am Schwannebel, Helixnebel und Ringnebel, sollte der Cirrusnebel das nächste große Projekt werden – diesmal mit Fokus auf den Mosaik- und Equatorial-Modus.

Ich hatte große Erwartungen an diese Nacht: Der Plan war, einen möglichst großflächigen Ausschnitt dieses komplexen Nebels in hoher Auflösung zu erfassen. Doch wie so oft in der Astrofotografie kam es anders als geplant. Dieser Beitrag soll ehrlich dokumentieren, was gut lief, was nicht – und was ich für künftige Sessions daraus mitnehme.


🌌 Ziel: Der Cirrusnebel (NGC 6960)

Der Cirrusnebel ist Teil eines riesigen Supernovaüberrests im Sternbild Schwan und zählt zu den eindrucksvollsten, aber auch herausforderndsten Objekten für Astrofotografen. Seine filigranen Bögen aus leuchtendem Gas ziehen sich über ein enormes Himmelsareal – ideal also für ein größeres Mosaikprojekt.

Bereits in der letzten klaren Nacht entstand ein kleiner Ausschnitt des Cirrusnebels mit nur 18 Minuten Belichtungszeit. Trotz der geringen Aufnahmezeit war bereits eine schöne Grundstruktur zu erkennen – und genau das hat mich motiviert, weiterzumachen.

Cirrus NGC 6992 – 18min belichtet.

Daraufhin entstand die Idee, den Mosaik-Modus des SeeStar zu verwenden, um einen größeren Bereich des Nebels zu erfassen. Zusammen mit dem EQ-Modus sollte das Ganze deutlich präziser und großflächiger gelingen – so der Plan.


⚙️ Setup & Technik

Verwendet wurde wieder mein treuer SeeStar S50, dieses Mal montiert auf einem

K&F Concept O234A1 Kamerastativ mit Auslegearm (bis 163 cm) – eine solide Lösung, um das Gerät auch im EQ-Modus sauber auszurichten.


🔧 EQ-Modus am SeeStar S50 – so funktioniert’s:

Um den Equatorial Mode (EQ-Modus) korrekt zu aktivieren, sind folgende Schritte erforderlich:

Ausrichtung: Das Gerät muss mit dem Power-Button nach oben zeigen und in Richtung Norden (Polaris) geneigt werden (Vorsicht: Kippgefahr bei zu steilem Winkel). Kann super leicht mit Stellarium geortet werden!

Neigungswinkel: Das SeeStar sollte auf den örtlichen Breitengrad geneigt werden (hier: 51°).

Feinausrichtung: In der App auf „Get Polar Align Deviation“ klicken – Ziel ist eine Abweichung von weniger als 1°.

Ein entsprechender Screenshot aus der App zeigt den Ablauf visuell

Man sieht ganz gut das ich bei den beiden Pfeilen noch Abweichungen dabei hatte… dies war mir im ersten Moment nicht klar, da das SeeStar es nicht so super schön erklärt. Nach mehreren Fehlversuchen habe ich dies aber korrigiert und es konnten dann sogar 60sek. Bilder gemacht werden.


Polaris – Der Polarstern

Polaris, besser bekannt als der Polarstern, ist der hellste Stern im Sternbild Kleiner Bär (Ursa Minor) und liegt fast exakt über dem nördlichen Himmelspol. Das macht ihn seit Jahrhunderten zu einem verlässlichen Orientierungspunkt für Navigation – sowohl zu See als auch am Himmel.

Stellarium Ausschnitt

Fakten über Polaris:

🌍 Entfernung: ca. 433 Lichtjahre

💡 Helligkeit: ca. 2,0 mag (sichtbar mit bloßem Auge)

🌌 Typ: Mehrfachsternsystem, Hauptstern ist ein gelb-weißer Überriese

🧭 Funktion: Zeigt ziemlich genau nach Norden (Abweichung ~0,7°)


🌫️ Hürden der Nacht

Leider war der Himmel in dieser Nacht nicht ganz klar – eher diesig, teils leicht bewölkt. Das machte die Belichtungsbedingungen von Beginn an schwierig.

Zusätzlich gab es folgende Herausforderungen:

Der Mosaik-Modus des SeeStar deckt den gesamten Cirrusnebel leider nicht vollständig ab. Ich hatte gehofft, einen großen Teil des Objekts in einem Durchgang erfassen zu können – das erwies sich jedoch als Illusion.

Ich spielte kurz mit dem Gedanken, jede Stunde manuell die Position zu ändern, um später in SetiAstro ein manuelles Mosaik zu erstellen. Leider ließ sich das zeitlich nicht mehr realisieren – dafür hätte ich von Anfang an und über mehrere Nächte hinweg konsequent planen müssen.

Ein weiteres Problem: Viele Stacking-Programme unterstützen keine Mosaikdaten aus dem SeeStar.

Siril, DSS, selbst AstroPixelProcessor und PixInsight tun sich schwer. SetiAstro soll es können, aber meine bisherigen Tests damit verliefen eher enttäuschend.


🌳 Ein Baum – das unerwartete Hindernis

Gegen Ende der Aufnahme kam es noch zu einem unschönen Finale:

Ein Baum am Bildrand wurde vom SeeStar nicht als Hindernis erkannt. Dadurch entstanden deutlich sichtbare, dunkle Schatten im unteren Bereich des Bildes. Wirklich ärgerlich – gerade wenn man bedenkt, wie viel Aufwand die Aufnahme bis dahin gekostet hat und das man diese Einzelbilder ja nicht weiter verwerten kann…


📸 Das Ergebnis – ein wertvoller Zwischenschritt

Trotz aller Widrigkeiten ist ein interessanter und ästhetisch sehenswerter Teil des Cirrusnebels entstanden. Die filigranen Gasstrukturen, die blass-grünen Bögen und feinen Details lassen erkennen, was möglich ist – und das, obwohl das Wetter nicht mitgespielt hat und das Setup an seine Grenzen kam.

Mosaik – Cirrus

Diese Aufnahme ergänzt das zuvor veröffentlichte 18-Minuten-Bild und zeigt einen anderen Teil des Nebels. Ein vollständiges Mosaik konnte es leider nicht werden – aber es ist ein weiterer wichtiger Zwischenschritt, der zeigt, was geht… und was nicht.

Übrigens: das Bild ist insgesamt aus einer 215 minütigen Belichtung entstanden. Pro Bild konnte ich 60 Sekunden belichten… und das mit dem kleinen Mäusehaus…


📍 Fazit & Ausblick

Diese Nacht war ein gutes Beispiel dafür, wie herausfordernd Astrofotografie sein kann – trotz Technik, Planung und Erfahrung. Es war nicht perfekt, aber ich habe:

– den EQ-Modus erfolgreich getestet

– die Grenzen des Mosaik-Modus erlebt

– neue Ideen für den Winter gesammelt: Dort will ich gezielt ein manuelles Mosaikprojekt starten – unabhängig vom SeeStar-eigenen Modus, mit präziser manueller Nachführung und Planung über mehrere Nächte. Mit anschließender Zusammenführung am PC

Und trotzdem: Ich bin froh, das Projekt Cirrus weitergeführt zu haben.

Jede Nacht unter den Sternen ist ein Schritt vorwärts – manchmal technisch, manchmal lehrreich. Und manchmal beides.

Clear Skies & bis bald!

– Astro-Kirchberg

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